Schmuckbild  - Sie wollten leben! Vor 85 Jahren

Sie wollten leben!

30. September 2026

Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Die Nationalsozialisten und ihre vielen Helfershelfer deportierten 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder aus Berlin ins Ghetto Litzmannstadt, dem von deutschen Truppen besetzten polnischen Łódź. Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert. Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben.

Verfolgt, misshandelt, deportiert und getötet wurden bis zum Ende der Nazidiktatur auch Sinti und Roma, politische Gegner, Zeugen Jehovas und Bekennende Christen, Homosexuelle und Menschen wegen ihrer Gesinnung, Nationalität, Behinderung oder Erkrankung.

In allen Berliner Bezirken erinnern 25 Litfaßsäulen mit großflächig gestalteten Plakaten an diesen Zivilisationsbruch und die damit verbundenen Schicksale. Fotografien, Stolpersteine, Gedenktafeln und Kurzbiografien geben diesen 100 Menschen ein Gesicht. Diesem Terror der Nationalsozialisten sind in Berlin mindestens 55.000 Frauen, Männer und Kinder zum Opfer gefallen. Ab dem 13. Oktober 2026 bis zum 16. November 2026 wird an den 25 Litfaßsäulen mit Gedenkveranstaltungen daran erinnert. Die Eröffnung des Gesamtprojektes findet am Donnerstag, 15. Oktober 2026, um 19 Uhr, in der Berliner Gedächtniskirche statt.

Die LOTTO-Stiftung Berlin unterstützt das Projekt mit einem Zuschuss von 48.000 Euro.

Stand 30.09.2026